Die Tücken beim Erwerb eines Briefumschlags

Meine Frau und ich, vor der Reise. Wir ahnen noch nicht was kommt.

Alle die uns kennen wissen das meine Frau aus Thailand stammt. Ihr Reisepass läuft bald ab, daher fahren wir heute zum königlich Thailändischen Konsulat in München. Frankfurt wäre zwar näher doch waren im Online Buchungstool keine Termine mehr frei. Also auf nach München.

Die erste Überraschung erwartet uns am Mannheimer Hauptbahnhof.

Der geplante ICE um 8:30 Uhr fällt aus! Glücklicherweise waren wir rechtzeitig am Bahnhof und so konnten wir gerade noch auf Gleis 4 den ICE 8:18 Uhr Zug nach Stuttgart erreichen, dank der Bahnhofsansage, die uns zunächst auf Gleis 8 schickte. Frühsport mit der Bahn. In Stuttgart konnten wir in einen Ersatzzug nach München umsteigen und trafen wie geplant in München ein-, Obwohl, oh (unnötiger) Schreck der Ersatzzug nur ein IC war. Danke an die Bahn, dass wir trotz Zugausfall unseren Termin wahrnehmen konnten.

Zunächst geht läuft alles nach Plan.

Weiter im Taxi, mit einem netten vietnamesischen Taxifahrer zum Konsulat in der Törringstraße 9 nicht weit entfernt vom Bundesfinanzhof.

Wie beschrieben muss ich wegen der Pandemie draußen warten. Zum Glück ist das Wetter schön, ich unterhalte mich angeregt mit einem anderen Ehemann, einem Thailänder der sehr gut Deutsch spricht. So stehen wir mehr oder weniger bequem an dem letzten Maitag 2021 vor dem Konsulat auf unsere Frauen wartend.

Eine „Überraschung“ und der Stadtbummel fällt ins Wasser.

Es dauert nicht allzu lange und meine Frau kommt aus dem Konsulat heraus.

Wir müssen noch einen Briefumschlag und Briefmarken besorgen, sagt meine Frau. Damit hatten wir nicht gerechnet.

Nun gut Briefmarken und Briefumschlag besorgen das kann doch nicht so schwer sein, auch nicht für Ortsfremde wie uns.

Eine kleine Odyssee beginnt und noch ahnen wir nichts davon.

An der Straßenecke hält ein freundlicher DHL Fahrer. Ich frage ihn nach einer Post Filiale, er schaut auf seinem Handy nach und sagt ja in der Ismaninger Straße 98 gibt es eine Postfiliale das ist nicht weit von hier.

In der Tat es ist nicht weit, nur dass es hier keine Postfiliale mehr gibt, in Google Maps schon. In einem Geschäft erfahre ich immerhin, dass es beim Tabakhändler nebenan Briefmarken gibt. Tatsächlich der Tabakhändler hat Briefmarken und gegenüber dem Tabakhändler befindet sich ein Schreibwarengeschäft. Unsere Freude darüber ist nur von kurzer Dauer, denn das Schreibwarengeschäft ist wegen Sommerferien geschlossen.

In Google Maps nachgeschaut Postfilialen und Schreibwarengeschäfte sind mehr als 2 Km entfernt. So ganz traue ich Google nun doch nicht mehr und frage in weiteren Geschäften nach, doch ein weiteres Schreibwarengeschäft oder eine Postfiliale gibt es hier in der näheren Umgebung nicht.

Meine Frau ist nun gelinde gesagt etwas verstimmt und möchte mit einem Taxi weiterfahren.

Taxi? Fehlanzeige

Ok, ein Taxi. Ich sehe einen Taxifahrer, der gerade auf seine Fahrgäste wartet und frage ihn, ob er mir ein Taxi rufen könne. „Nein“ sagt er, da er keinen Funk hat, weiterhin sagt er: ja da hinten, hinter den Ampeln, da gibt es Taxis. Also noch ein weiterer kleiner Fußmarsch und wir gelangen zum Herkomerplatz, nur Taxis finden wir hier nicht.

Na gut, ich suche mir ein schattiges Plätzchen damit ich die Taxizentrale anrufen kann. Alle die mich näher kennen wissen, dass mein verbleibendes Auge nicht so gut ist und Bildschirme im Freien Ablesen deshalb nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, doch es musste nun eben sein.

Fehlanzeige bei der allgemeinen Taxi Servicerufnummer, mein Guthaben sei nicht ausreichend, obwohl ich sonst immer telefonieren kann.

Die Taxizentrale von München herausgezogen, Taxi bestellen, doch es kommt nicht. Nochmal anrufen, kein Taxi kommt.

Weiter mit der Tram

Da es am Herkomerplatz eine Straßenbahnhaltestelle gibt beschließen wir nun mit der Straßenbahn in die Innenstadt zu fahren. Immerhin kann ich durch die Interviews der wartenden Mitmenschen herausfinden in welche Richtung wir fahren müssen, das ist schon mal gut. Leider sind die Auskünfte zu dem Fahrkartenautomaten nicht so ergiebig. Eine junge Frau sagt, dass sie sich nicht auskennt, da ihre Eltern ihr die Tickets besorgt haben, ein weiterer wartender Fahrgast doziert über Streifenkarten, ich bedanke mich höflich, doch leider kann seinen Ausführungen nicht ganz folgen.

Notgedrungen beuge ich mich in Yoga ähnlicher Haltung über den Touchscreen des Fahrkartenautomaten, in hellstem Sonnenlicht kann ich gerade nur schemenhaft die Symbole und Schriften erkennen. Nach einigen Versuchen gelingt es mir zwei Einzelfahrscheine aus dem Automaten herauszulassen, welch eine Erleichterung!

In der Straßenbahn verläuft die Befragung eines Mitreisenden nach einem Schreibwarengeschäft ergebnislos. Auch er ist fremd in der Stadt. Am Max Weber Platz sage ich zu meiner Frau einer plötzlichen Eingebung folgend: „Hier steigen wir aus“.

Denn hier ist der Umstieg zur U-Bahn, wenn du zum Hauptbahnhof fahren willst, wie ich in der Reisevorbereitung herausgefunden habe.

50 Cent die Glücklich machen

Genau an der Haltestelle befindet sich ein Schreibwarengeschäft, wir müssen noch eine Weile warten denn nur eine Person darf eintreten. Ich setze meine Maske auf und kurz danach bringt mir ein älterer Herr meinen Fahrschein, ich muss ihn wohl verloren haben, beim Herausziehen der Maske aus der Gesäßtasche. Natürlich bedanke ich mich bei dem aufmerksamen Herrn.

Und endlich, geschafft in dem Geschäft gibt es den passenden gepolsterten Briefumschlag für 0,50€. Zurück zum Konsulat. Kurz vor 14:30 Uhr erreichen wir dasselbe.

Meine Frau sagt, dass die Angestellte des Konsulats nur bis 14:30 Uhr auf uns warten konnte. Gott sei Dank hat meine Frau das erst jetzt gesagt denn sonst hätte ich doch wohl einiges mehr an Stress gehabt. Außerdem sagt meine Frau das die Angestellte gesagt hätte, in den Unterlagen der Botschaft sei beschrieben, dass man einen Briefumschlag und die Briefmarken mitbringen müsse. Doch leider haben wir das in der Vorbereitung irgendwie übersehen, obwohl wir beide die Unterlagen des Konsulats in Thai und in Deutsch durchgesehen haben.

Egal es ist geschafft alles ist abgeliefert und so können wir uns glücklich auf die Heimreise begeben. Es sollte nichts weiteres Unangenehmes und Unvorhergesehenes ereignen und wir kommen wie geplant Zuhause in Mannheim an.

Fazit der Reise

Tja dieses Beispiel zeigt uns, dass es sich lohnt auch in ungewöhnlichen Situationen gelassen zu bleiben, die gegebenen Möglichkeiten flexibel zu nutzen und hartnäckig am Ball zu bleiben, um sein Ziel zu erreichen und dankbar sein, wenn man es schließlich geschafft hat, denn es war auch Glück im Unglück mit im Spiel. Außerdem war es eine gemeinsame Leistung und sehr hilfreich das meine Frau besser sehen kann als ich.

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